Red Bull Nordenskiöldsloppet – 200Km auf Langlaufski!

Jokk Mokk, Jokk Mokk…Rhythmus halten, ein Schub um den anderen. Jokkmokk klingend wie Trommelschläge auf der Galere ist eine kleine, schwedische Stadt am Polarkreis.

Als uns Teammanager Mario Felgenhauer fragte, Jungs wollt ihr ein Rennen über 200Km machen, dachten Christoph Friedl und ich überraschender Weise nicht lange nach. Red Bull Deutschland sei Dank war die Reise schnell gebucht und die Gedanken fingen sofort an um die Vorbereitung auf dieses außergewöhnliche Rennen zu kreisen.

Wie um Himmels Willen kann man sich auf 200Km vorbereiten, was kann man trainieren, was sollte man unbedingt beachten, was essen, was trinken, wie lang wird es wohl dauern, welches Tempo sollten wir anschlagen…

Viele Fragen auf die wir oft nur eine passende Antwort fanden, an diesem 10. April wartet ein gigantisches Abenteuer auf uns!

Was wohl alle Abenteuer gemeinsam haben, man weiß nicht was einen erwartet, Ausgang offen, etwas beängstigend aber gerade deshalb unheimlich faszinierend.

Das Training begann

Nach dem eigentlichen Saisonabschluss beim Skadi Loppet in Bodenmais näherten mein Trainingspartner Christoph Friedl und ich uns der 6 Stunden Marke und schnell wurde klar, an die Distanz von 200Km werden wir im Training nicht mehr ran kommen, es würde uns viel zu viel Regenerationszeit kosten und wäre zu riskant so kurz vor dem Nordenskiöldsloppet.

Der Horizont, die Perspektive verschiebt sich den „Ski-Megamarathon“ stets im Hinterkopf. Eine Stunde Training wird zu gefühlten Minuten, literweise Xenofit Sportgetränk fließt in uns hinein, ab vier Stunden fühlt man eine gewisse Besonderheit aufsteigen, so lange trainiert man selten auf Ski, trotzdem diese wahnsinnige Distanz von 200Km bleibt unvorstellbar!

Da ist sie wieder die Antwort vom Abenteuer!

Wir machen uns auf die Reise

Nachdem wir bis zur Abreise dem Gletscher des Bayerischen Waldes, dem Bretterschachten sei Dank auf Schnee trainieren konnten, machte sich ein Team aus eben dieser Region auf die Reise in den hohen Norden.

Der Fotograph Marco Felgenhauer/ Woidlife Photography, Christoph Friedl, meine Freundin Sabine Maier und ich erreichten nach zwölf Stunden den Start- und Zielort Jokkmokk. Beim Gedanken das Rennen könnte genau so lange dauern, machte sich ein Gefühl von Unfassbarkeit breit, das sofort unserem Abwehrmechanismus, unserer Antwort vom Abenteuer weichen sollte.

Im besten Hotel der Stadt untergebracht, starteten wir mit der direkten Vorbereitung auf das Rennen. Startnummern besorgen, Ski testen, Verpflegungsutensilien checken, Ski wachsen und viel, viel essen.

Das Rennen

Die Spannung steigt ins Unermessliche!

Aufgrund ungewöhnlich milder Temperaturen musste die Strecke verlegt werden, die Eisdecke vieler Seen begann zu brechen.

Nichtsdestotrotz wurde die magische Marke der 200Km gehalten und letztlich änderte sich nichts an unserer Gefühlslage.

Die Ruhe kurz vor dem Startschuss ist beinahe unerträglich, endlich geht es los. Um 6 Uhr morgens ist es im schwedischen Frühling bereits hell und die „Rennpferde“ gehen auf die Strecke.

Die Weltspitze der Skimarathon-Szene ist am Start, der aktuelle Vasaloppet Sieger Dahl, die Aukland-Brüder aus Norwegen zeigen sich an der Spitze des Feldes.

Doch das Tempo ist ungewöhnlich angenehm, der Herzschlag bleibt ruhig, alle Läufer der Elite zusammen. In den Gesichtern erkennt man selbst bei den erfahrensten Sportlern eine Ungewissheit, den Respekt vor der Herausforderung, vor der Reise in unbekanntes Terrain. Heute sollten wir Loipen erleben, die nie ein Mensch zuvor auf Ski erlebte und diese Distanz von 200Km hatte keiner aus dem Starter Feld je gemeistert.

Natürlich wurde auch der Nordenskiöldsloppet in der Doppelstocktechnik, ohne Steigwachs angegangen, der klebrige Klister wäre zu langsam auf den langen, flachen Passagen.

Nach einer halben Stunden kam es dann doch, wie gewohnt zu ersten Attacken und das Tempo wurde schneller, der Raceday war eröffnet!

Eingebremst wurde das rasende Feld jetzt nur noch von Renntierherden, die die Langlaufspur als angenehmen Laufweg nutzten und sich hartnäckig vor den Skilangläufern behaupteten, echte, skandinavische Lauftalente!

Die Verpflegung funktionierte hervorragend, entweder durch die eigene Trinkblase oder später einen Trinkrucksack auf dem Rücken. Zusätzlich mit den offiziellen Verpflegungsstellen brachte ich es auf fünf bis sechs Liter plus unzählige Energy Gels, Bananen und Schokoriegel.

Nach knapp hundert Kilometer wurde das Tempo an langen Anstiegen deutlich höher und die Spitzengruppe reduzierte sich wie im Ausscheidungsrennen auf zwölf Läufer. Die Gedanken kreisen, wow, die weltbekannte Vasaloppet Strecke über 90Km haben wir bereits hinter uns gebracht, es läuft!

Natürlich müssen die Unmengen die man an Flüssigkeit während des Rennens zu sich nimmt auch irgendwie wieder raus, so bilden sich Allianzen die gemeinsam den nächsten „Parkplatz“ ansteuern und danach wieder zur Gruppe nach vorne schieben. Beeindruckend mit welcher Ruhe und Gelassenheit die Weltelite aus Skandinavien solche Situationen meistert.

Die Jagd durch die schwedische Wildnis geht weiter. Als nächster muss sich der starke Rikard Tynell nach hinten verabschieden. Mein Motto „bleib so lange es geht dran am Doppelstock-ICE der Skandis, jeder Meter, jeder Schub zählt dem Ziel entgegen!“

Doch nach sechs Stunden und über 140Km musste ich an einem steileren Anstieg „reißen“ und die Weltspitze ziehen lassen, die Kraft war wie weggeblasen, man schaut nach vorne, als würde man sich selbst beobachten und kann nichts tun, als könnte man das Gaspedal nur noch zur Hälfte durch drücken.

In diesem Moment entscheidet sich für einen Sportler alles!

Alleine, irgendwo im nirgendwo, die Sonne lässt die Spur immer langsamer werden, die eigene Kraft schwindet und noch gute 50Km zum Ziel, eigentlich völlig aussichtslos.

Wie sagte einmal ein schlauer Trainer zu mir, „you make your own luck! – Jeder ist seines Glückes Schmied!“ Mein neues Motto war gefunden, Rhythmus aufbauen, halten, ökonomisch schieben, runde Bewegungen, Frequenzwechsel einbauen, Gedanken bewusst nach vorne richten, yes, das wirkliche Abenteuer beginnt jetzt!

So müssen sich Extrembergsteiger fühlen, auch ein Kampf gegen die Gleichgültigkeit, alles wird anstrengend, mühsam und kostet Überwindung. Es heißt den Fokus zu halten, zwingt dich zu trinken, zwingt dich zu essen, motiviere dich weiter zu pushen!

Nach 8:43h erreichte ich als Achter müde aber überglücklich das Ziel in Jokkmokk. Es sind nicht die Zahlen die dich glücklich und zufrieden machen, es ist der Punkt an dem du entscheidest ob es ein geiler Tag wird!!

Jokk Mokk, Jokk Mokk…wir werden dich nie vergessen, der Polarkreis ist eine Reise wert!